Kamerabauarten

Aus technischer Sicht unterscheidet man verschiedene Kameratypen hinsichtlich Bauweise oder Filmformat:
Sucherkameras
Spiegelreflexkameras (SLR)
Mittelformatkameras
Großformatkameras
Sucherkameras
Am weitesten verbreitet ist die Sucherkamera. Ob Polaroidfilm, Kleinbildpatrone, Mittelformatfilm, 126-er und 110-er Filmformate oder Miniformate wie für die legendären Spionagekameras von Minox - überall wird das Bauprinzip der Sucherkamera eingesetzt. Seitlich ist ein kleines Sichtfenster (=Sucher) durch den man den Bildausschnitt bestimmt. Das Sucherbild ist jedoch nicht völlig identisch mit dem Bild, das durch das Objektiv aufgenommen wird. Dies wird als ANKER Parallaxenfehler bezeichnet. Hilfslinien im Sucher reduzieren diesen bauartbedingten Fehler bei mittleren bis großen Aufnahmedistanzen fast vollständig. Je mehr sich allerdings die Aufnahmedistanz verringert, desto stärker treten die Unterschiede zwischen Sucherbild und wirklichem Bildausschnitt zutage. Hier empfehlen sich das Einbeziehen eines ausreichenden Randes oder vorherige Testaufnahmen, die den wirklichen Bildausschnitt zeigen. Generell und nicht nur bei Sucherkameras sollte man für Nahaufnahmen ein Stativ verwenden.
Während sich bei Spiegelreflexkameras das Sucherbild beim Auslösen kurzzeitig verdunkelt und das Motiv für einen Sekundenbruchteil nicht zu sehen ist, bleibt es bei Sucherkameras immer sichtbar. Dadurch sieht man leichter, ob eine fotografierte Person bei der Aufnahme geblinzelt hat oder nicht. Ein weiterer Vorteil ist das im Vergleich zu Spiegelreflexkameras sehr leise Auslösegeräusch, das jeder zu schätzen weiß, der schon einmal schreckhafte Tiere aus der Nähe fotografiert hat.
Sucherkameras gibt es für fast jeden Zweck und Geldbeutel. Von der Einwegkamera für wenige Euro bis zum Luxusschlitten für mehrere Tausend Euro.
Spiegelreflexkameras
Das Prinzip der Spiegelreflexkamera (auch SLR von single lense reflex) erlaubt das exakte Festlegen des Bildausschnitts ohne Parallaxenfehler. Der Fotograf blickt durch das Objektiv auf das Motiv. Ermöglicht wird dies durch einen klappbaren Spiegel, der im Moment der Aufnahme nach oben schwenkt und das Licht auf den Film oder den Chip fallen lässt. Das Sucherbild entspricht exakt der späteren Aufnahme. Üblich ist bei diesem Kameratyp ein Wechselobjektivsystem, wobei über eine mechanische Kupplung (Bajonett) Objektive unterschiedlicher Brennweite verwendet werden können. Somit kann für jede denkbare Aufnahmesituation, vom Superweitwinkel (Fischauge; ab 6 mm Brennweite) über Tele-Objektive bis hin zu Mikroskop- und Teleskopaufnahmen, ein geeignetes Objektiv verwendet werden.
Mittelformatkameras
Der Name bezieht sich auf das verwendete Filmformat, den sogenannten Rollfilm. Man trifft in diesem Bereich vor allem auf Spiegelreflexkameras, jedoch sind auch Sucherkameratypen noch recht häufig vertreten. Die Negative oder Dias haben eine Höhe von 6 cm und unterschiedliche Breiten von 4.5, 6, 7, 8 oder 9 bis zu 17 cm. Am gebräuchlichsten sind die Formate 6x4.5 cm, 6x6 cm und 6x7 cm. Mittelformatkameras haben eine vier bis fünffach so große Filmfläche pro Aufnahme im Vergleich zu Kleinbildfilmen. Daraus folgt ein geringerer Vergrößerungsfaktor, wenn Papierbilder ausbelichtet werden und somit schärfere Aufnahmen. Die meisten Kameras dieses Typs haben ein Wechselobjektivsystem, bei dem für die jeweiligen Aufnahmesituationen das passende Objektiv verwendet werden kann. Mittelformatkameras werden fast ausschließlich im professionellen Bereich eingesetzt.
Großformatkameras
Die Königsklasse der Kameras. Die Bezeichnung Großformat bezieht sich auf das verwendete Filmformat. Die Filmmaße reichen von 9x12 cm bis 20x25 cm, manche Spezialkameras verwenden noch größere Formate. Die Aufnahmen sind immer Einzelaufnahmen, wobei eine Kassette zwei Filmblätter gleichzeitig aufnehmen können. Die Kassetten werden hinten an der Mattscheibe angebracht. Sobald der Verschluss am Objektiv geschlossen wurde, kann man den Lichtschutz (Schieber) der Kassette entfernen und den Verschluss auslösen. Nach der Aufnahme und vor dem Herausholen der Kassette muss der Schieber wieder in die Kassette eingeführt werden. Das klingt nicht nur umständlich, es ist umständlich. Lebendige Portraitserien oder gar Sportaufnahmen sind so nur sehr eingeschränkt möglich.
Die eigentliche Stärke von Großformatkameras liegt in den optischen Möglichkeiten, die das Neigen, Schwenken und Verschieben von Filmebene und/oder Objektivebene mit sich bringen. Ihre Domäne ist deshalb die hochwertige Sach- und Architekturfotografie. Zwar gibt es auch Mittelformatkameras und sogar Kleinbildobjektive, die eingeschränkte Verstellmöglichkeiten bieten, aber das ist mit den weitergehenden Fähigkeiten einer Großformatkamera nicht vergleichbar.
Durch das parallele Verschieben von Objektiv- und Filmebene lassen sich beispielsweise Architekturaufnahmen auch von hohen Gebäuden ohne die berüchtigten „stürzenden Linien“ LINK realisieren.
Durch Neigen der Ebenen lassen sich perspektivische Verzerrungen erreichen, die beispielsweise aus einem Ei eine Kugel machen oder aus einer Kugel ein Ei.
Durch das Schwenken der Ebenen kann man die Schärfeebene so beeinflussen, dass sie z. B. von rechts vorne nach links hinten verläuft. Ein Gegenstand links vorne wäre in diesem Fall unscharf, obwohl er denselben Abstand zur Kamera hat wie der Gegenstand links vorne.
Das Sucherbild wird ohne Spiegel auf die rückseitige Mattscheibe projiziert. Dadurch steht es auf dem Kopf und ist seitenverkehrt. Hat man sich daran gewöhnt, ermöglicht die Größe des Sucherbildes eine genauere Beurteilung des Motivs, als mit jedem anderen Kameratyp. Mit Lupen, die man auf die Mattscheibe aufsetzt und mit Spezialbelichtungsmessern, die jeden einzelnen Punkt des Motivs erfassen können, erreicht man eine fast perfekte Kontrolle der Aufnahmeparameter.
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